„Disclaimer“ – die sinnlosen Fußtexte in einer E-Mail

[World Wide Web – Disclaimer]

Oft kommen sie vor,  die „Disclaimer“. Sie verbieten am Ende einer E-Mail einem, das zu lesen, was man gerade gelesen hat, wenn sie ihm versehentlich zu gestellt wurde. Aber, ist das Logisch?

Mit einem gesunden Menschenverstand und dem einfachen juristischem Blick, wird einem schnell klar, dass diese Art von Disclaimer keinen Nährwert haben.


Denn man hat schon den Inhalt der falsch adressierten E-Mail gelesen, wenn man auf so einen Disclaimer stößt:

„Disclaimer: Diese E-Mail kann vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen enthalten. Wenn Sie nicht der beabsichtigte Empfänger sind oder diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie bitte sofort den Absender telefonisch oder per E-Mail und löschen Sie diese E-Mail aus Ihrem System. Das unerlaubte Kopieren sowie die unbefugte Weitergabe dieser E-Mail ist nicht gestattet.“

Upps, das hätte man doch eigentlich gar nicht lesen dürfen. Es ist einfach absurd:

  1. Wie soll man entscheiden, ob die E-Mail „vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen“ enthält bzw. enthalten kann?
  2. Woher soll man wissen, dass man nicht „der beabsichtigte Empfänger“ ist, ohne die E-Mail zu öffnen?
  3. Wie soll man denn den Absender anrufen, wenn man den Inhalt der Nachricht doch eigentlich gar nicht lesen darf?
  4. Dass unerlaubtes Kopieren und Weitergeben nicht gestattet sein soll, ist einem noch nachvollziehbar.
  5. Das Löschen der Nachricht könnte eventuell auch im Konflikt mit dem Gesetz stehen. Ein Kaufmann hat die Pflicht (§ 257  HGB: „empfangene und abgesandte Handelsbriefe“) geschäftliche E-Mails über einen längeren Zeitraum aufzubewahren. Und dabei ist es unwichtig, ob man der richtige oder  falschen Empfänger ist bzw. war.

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Aber, wieso sollte sich ein Empfänger an diese Klauseln halten, wenn er vielleicht den Absender noch nicht einmal kennt? Derartige Vorgaben in Disclaimern sind nicht rechtsverbindlich! Was passiert denn, wenn man sich nicht an den „Disclaimer“ hält? – Eigentlich nichts!

Schadensersatz kann eh nur geltend gemacht werden, wenn der „falsche“ Empfänger den Inhalt der E-Mail mit der Absicht verwendet, den anderen zu schädigen (§ 826 BGB: „Sittenwidrige vorsätzliche Schädigung“). Wenn Absender und Empfänger eine Geschäftsbeziehung zueinander haben, gelten vertragliche Rücksichtnahmepflichten. Aber, das gilt auch ohne Disclaimer.

Man kann sich mit so einem Disclaimer auch lächerlich machen. Damit aber nicht genug. Oft sind die Disclaimer noch dazu in Deutsch und Englisch verfasst, doppelt blamiert hält ja bekanntlicherweise besser. Wenn es sich schon um sehr wichtige und intime Inhalte handelt, haben diese sowieso nichts in einer E-Mail verloren. Für diese Zwecke gibt es bessere und sichere Medien.

Letztlich gilt immer: Augen auf, an wen man eine E-Mail mit Informationen verschickt.

 

Noch ein letzter Wink:
Der Begriff Disclaimer kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „eine Haftung abstreiten“. Mit anderen Worten, Disclaimer werden von Leuten benutzt, die zu bestimmten Dingen keinerlei Haftung übernehmen wollen. Da man aber gesetzliche Vorschriften nicht mit einem Disclaimer so einfach außer Kraft setzen kann, ist ein Disclaimer eigentlich gar kein Disclaimer.

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Ein Kommentar zu “„Disclaimer“ – die sinnlosen Fußtexte in einer E-Mail

  1. Pingback: Teurer Disclaimer und auch noch abmahnfähig

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